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Die Bundestagswahl 2025: Ein Kampf um Emotionen und Wahrnehmung

  • Autorenbild: Dominik Wormsbächer M.A.
    Dominik Wormsbächer M.A.
  • 13. Feb.
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 2 Stunden

Die Bundestagswahl 2025 geprägt von tiefgreifenden psychologischen Faktoren zeigt, dass sowohl die Meinungsbildung von Wählerinnen und Wählern als auch die Kommunikationsstrategien der Parteien stark angepasst und beeinflusst wird. Ganz nach dem 1. Axiom vom Psychotherapeuten und Kommunikationstheoretiker Paul Watzlawick "Man kann nicht nicht kommunizieren" ist eine weitere Verpflichtung "Man kann nicht ohne Social-Media" Usus des Wahlkampfes. Die zunehmende Bedeutung von Social-Media, personalisierter politischer Werbung und psychologisch ausgefeilten Kampagnen macht diese Wahl zu einem Lehrbuchbeispiel dafür, wie Psychologie die politische Landschaft formt. Dieser Artikel beleuchtet die Rolle von Social-Media und Algorithmen, die Anpassung der Parteikommunikation an psychologische Muster, die Bedeutung von Storytelling und Framing, die Wichtigkeit der Kandidatenpersönlichkeit, den Einsatz von Ängsten und Hoffnungen in Kampagnen sowie die unterschiedlichen psychologischen Wahlmotive von jungen und älteren Wählerinnen und Wählern.


Einfluss von Social-Media und Algorithmen auf die Meinungsbildung

Soziale Medien haben sich zu den wichtigsten Plattformen für politische Kommunikation entwickelt. Parteien und Kandidatinnen und Kandidaten nutzen sie gezielt, um Wählerinnen und Wähler zu erreichen und ihre Botschaften zu verbreiten. Ein zentrales Problem dabei ist die algorithmische Steuerung der Inhalte, die Nutzer sehen. Plattformen wie Facebook, Instagram und TikTok setzen Algorithmen ein, um den Nutzern bevorzugt solche Inhalte anzuzeigen, die zu ihrem bisherigen Verhalten passen. Dies kann zur Verstärkung von Meinungen führen und die sogenannte 'Filterblasen'-Problematik verschärfen. Einen bitteren Beigeschmack hat daher die Bekennung von Elon Musk zur AfD. Elon Musk gehört bekannterweise die Social-Media Plattform 'X'. Werden nun Beiträge der AfD über 'X' bevorzugt angezeigt, während die der anderen Parteien weniger algorithmisch ausgelöst werden? Vielleicht eine mutmaßliche Unterstellung von mir, doch könnte die Regulation und damit verbundene Macht von Musk einen möglichen Einfluss auf das Ergebnis der Bundestagswahl 2025 ergeben.

Ein Beispiel aus der US-Präsidentschaftswahl 2024 verdeutlicht dieses Phänomen: Viele Anhängerinnen und Anhänger von Kamela Harris wurden in sozialen Medien nahezu ausschließlich mit positiven Nachrichten über ihre Kandidatin konfrontiert. Am Wahltag waren sie daher überrascht und enttäuscht, als das Ergebnis anders ausfiel, als sie es erwartet hatten (The Verge, 2024). Ähnliches wurde in Deutschland beobachtet, wo insbesondere jüngere Wählerinnen und Wähler durch TikTok und YouTube stark beeinflusst wurden. Parteien nutzen diese Mechanismen bewusst, indem sie gezielt polarisierende Inhalte schalten, die starke Emotionen auslösen und für mehr Engagement sorgen.


Anpassung der Parteikommunikation an psychologische Muster

Parteien passen ihre Kommunikationsstrategien an psychologische Muster an, um die Aufmerksamkeit der Wählerinnen und Wähler zu gewinnen und deren Wahlentscheidungen zu beeinflussen. Ein bewährtes Mittel ist die emotionale Ansprache. Untersuchungen zeigen, dass emotionale Botschaften wesentlich einprägsamer sind, als rein sachliche Informationen (Perst u. Slovic, 2018). Parteien nutzen dies, indem sie ihre Inhalte so formulieren, dass sie starke emotionale Reaktionen auslösen.

Ein weiteres psychologisches Muster ist der 'Commitment Bias' der dazu führt, dass Menschen einmal getroffene Entscheidungen nur ungern revidieren. Parteien versuchen daher, frühzeitig Bindungen aufzubauen, beispielsweise durch gezielte Kampagnen in Schulen und Universitäten oder durch Social-Media-Strategien, die Wählerinenn und Wähler langfristig an eine Partei oder einen Kandidaten/ eine Kandidatin binden. Dennoch war die Entscheidungsfindung für viele Bürgerinnen und Bürger in Deutschland, eine für sich geeignete Partei für die Bundestagswahl 25 zu finden, noch nie so schwierig. Viele haben sich noch nicht entschieden oder werden noch bis zum letzten Tag der Wahl ihre Entscheidung noch nicht getroffen haben. Dies könnte einen Anstieg von Proteststimmen und Wahlverweigerer als Folge haben.


Storytelling und Framing: Dominierende Narrative im Wahlkampf

Storytelling und Framing sind entscheidende Instrumente im modernen Wahlkampf und auch Teil vom Wahlkampf 2025. Durch das Erzählen von Geschichten können komplexe Sachverhalte vereinfacht und emotional aufgeladen werden. Während klassische Wahlwerbung früher oft auf faktenbasierte Argumentation setzte, liegt der Fokus heute auf der Vermittlung eines kohärenten Narrativs.

Beispielsweise inszeniert sich die CDU als Garant für Stabilität in unsicheren Zeiten und greift dabei gezielt auf das Frame "Verantwortung und Kontinuität" zurück. Die Grünen hingegen erzählen eine Geschichte des Aufbruchs und der Transformation, die vor allem junge Wählerinnen und Wähler anspricht. Die AfD nutzt dagegen das Narrativ der Bedrohung durch Migration und soziale Veränderungen, um Ängste zu schüren und Proteswählerinnen und -wähler zu mobilisieren.


Die Bedeutung der Persönlichkeit der Kandidatinnen und Kandidaten

Die Persönlichkeiten von Spitzenkandidatinnen und -kandidaten spielt eine zentrale Rolle für den Wahlerfolg. Studien zeigen, dass Wählerinnen und Wähler oft nicht aufgrund detailliertet Programme, sondern wegen der wahrgenommenen Persönlichkeit eines Kandidaten oder einer Kandidatin ihre Entscheidungen treffen (Marcus, 2022). Dabei sind Authentizität, Glaubwürdigkeit und Sympathie entscheidende Faktoren.

Insbesondere in TV-Debatten und Interviews wird deutlich, dass Kandidatinnen und Kandidaten mit einer charismatischen Ausstrahlung und emotionaler Intelligenz erfolgreicher sind als rein sachlich argumentierende Politikerinnen und Politiker. Der Erfolg von Robert Habeck in der Bundestagswahl 2021 zeigte, wie wichtig eine bürgernahe, authentische Präsentation ist. Parteien investieren daher gezielt in Medientraining um sich den Anforderungen der modernen politischen Kommunikation optimal vorzubereiten.



Nutzung von Ängsten und Hoffnungen in Kampagnen

Politische Kampagnen setzen oft auf die Verstärkung von Ängsten oder Hoffnungen, um Wählerinnen und Wähler zu mobilisieren. Psychologische Studien zeigen, dass Angst eine besonders starke Motivation darstellt und Menschen dazu bringt, nach schützenden Lösungen zu suchen (Baumeister u. Leary, 2019).

Ein Beispiel dazu ist die Klimapolitik: Während die Grünen auf die Angst vor Umweltkatastrophen setzen, um für ihre Politik zu werben, nutzen die AfD Ängste vor einem sozialen Abstieg oder kulturelle Veränderungen, um ihre Anhängerschaft zu mobilisieren. Parteien setzen gezielt auf bestimmte Sprachmuster, um ihre Wählerinnen und Wähler zu beeinflussen: Wörter wie 'Krise', 'Gefahr' oder 'Bedrohung' führen dazu, dass Menschen sich intensiver mit einem Thema auseinandersetzen.


Unterschiedliche psychologische Wahlmotive von jungen und älteren Wählerinnen und Wählern

Jüngere und ältere Wählerinnen und Wähler haben oft unterschiedliche psychologische Motive bei ihrer Wahlentscheidung. Junge Wählerinnen und Wähler legen großen Wert auf Themen wie Klimawandel, digitale Freiheit und soziale Gerechtigkeit. Sie sind daher eher bereit, für radikale Veränderungen zu stimmen und lassen sich stark von sozialen Medien beeinflussen.

Ältere Wählerinnen und Wähler hingegen bevorzugen oft Parteien, die Stabilität und Sicherheit versprechen. Sie sind kritischer gegenüber schnellen gesellschaftlichen Veränderungen und legen Wert auf bewährte Strukturen. Diese Unterschiede erklären, warum Parteien ihre Wahlkampfbotschaften unterschiedlich gewichten, je nachdem, welche Altersgruppen sie ansprechen wollen.


Fazit

Die Bundestagswahl 2025 zeigt, dass psychologische Faktoren in der politischen Kommunikation immer bedeutender werden. Parteien nutzen gezielt emotionale Botschaften, Storytellin und soziale Medien, um Wählerinnen und Wähler für sich zu gewinnen. Die zunehmende algorithmische Steuerung von Informationen in sozialen Netzwerken stellt eine Herausforderung dar, da sie die Polarisierung verstärken kann. Eine reflektierte Nutzung von Medien und eine bewusste Auseinandersetzung mit politischen Inhalten sind daher entscheidender denn je für eine informierte Wahlentscheidung.


Quellen
  • Baumeister, R. F., & Leary, M. R. (2019): "The Need to Belong: Desire for Interpersonal Attachments as a Fundamental Human Motivation"

  • FAZ (2024): "Psychologie der Wählerentscheidung"

  • Marcus, G. E. (2022): "The Emotional Foundations of Political Behavior"

  • Peters, E., & Slovic, P. (2018): "Affective Intelligence and Political Decision-Making"

  • Spiegel Online (2024): "Die Rolle von Social Media im Bundestagswahlkampf"

  • Süddeutsche Zeitung (2024): "Wie Framing den Wahlkampf beeinflusst"

  • Tagesschau.de (2024): "Emotionen in der politischen Kommunikation"

  • The Verge (2024): "Social Media Influence in the U.S. Presidential Election"

 
 
 

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